DEBATES SOBRE 1968 EM BERLIM

fontes: H/Soz/U/Kult

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’68 Brennpunkt Berlin

Als deutsche Studenten vor 40 Jahren auf die Strae gingen, richtete sich ihr Protest nicht nur gegen den Krieg in Vietnam. Was die vielschichtige politische Bewegung zugleich einte, war ihre Auflehnung gegen die damals herrschenden sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Normen der Bundesrepublik. Mit einer Gesprchsreihe von Februar bis Mai 2008 zur Ausstellung 68 Brennpunkt Berlin nimmt die Bundeszentrale fr politische Bildung die Nachwirkungen der 68er-Revolte in den Blick. Welche Langzeitfolgen hatte die Bewegung? Wenn die Vernderungen wirklich so tiefgreifend waren, wie hufig behauptet wird, in welchen Bereichen von Politik, Gesellschaft und Kultur sind sie dann heute noch zu spren? Insgesamt neun Podien mit Zeitzeugen, Experten, Autoren und Knstlern bewerten die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven und schlagen eine Brcke von 68 in die Gegenwart: Was bleibt 40 Jahre spter?


Lesung und Diskussion: Gtz Alys Unser Kampf. 1968
Termin: Mittwoch, 12. Mrz 2008, 19.00 UhrGtz Alys Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurck gehrt zu den heftig diskutierten Neuerscheinungen dieses Frhjahrs. Hier vertritt der Historiker und Zeitzeuge die These, die 1968er-Bewegung hnele der Bewegung junger Nationalsozialisten um 1933 – beide kennzeichne eine totalitre Struktur. Im Amerika Haus liest Gtz Aly aus diesem Buch und diskutiert anschlieend mit dem Sozialpsychologen und Erinnerungsforscher Harald Welzer.

Mit: Gtz Aly und Harald Welzer

Am Ende nur Praxis? Das theoretische Selbstverstndnis der 68er
Termin: 13. Mrz 2008, 19.30 Uhr

Die Schriften von Marcuse, Adorno, Fanon und Habermas gehrten zu den meistgelesenen der 68er-Bewegung. Hinzu kam die Wiederentdeckung des Marxismus als Grundlage fr die Interpretation aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Doch inwieweit hat dieses Gedankengut zu einer eigenstndigen Theorie der 68er beigetragen? Ein Streitgesprch zum theoretischen Selbstverstndnis der 68er.

Mit: Prof. em Dr. Oskar Negt, Sozialphilosoph; Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter, Akademie fr politische Bildung, Tutzing; Moderation: Stefan Reinecke, Publizist und Journalist, taz-Redakteur

Theater Eine Bhne fr die 68er?
Termin: 31. Mrz 2008, 19.00 Uhr

Das Theater war besonders empfnglich fr die politischen, sozialen und kulturellen Impulse der 68er und hat diese umzusetzen versucht. Peter Schneider sagte einmal Die Kunst kann niemanden in eine neue geistige Realitt schicken, aber sie kann die Tren dahin ffnen. Alvis Hermanis behauptet, seit den 1960ern habe es im Theater keine wesentlichen Neuerungen gegeben. Was ist aus der Idee eines Theaters als Kommune, als Ort der Mitbestimmung, als Ort der politischen Stellung- und Einflussnahme geworden? Ein Abend mit Gesprchen, einer szenischen Lesung und Videoaufnahmen von Inszenierungen der Zeit.

Vorab: Szenische Lesung der Publikumsbeschimpfung von Peter Handke, eingerichtet und gespielt von Georg Scharegg und Patrick Wengenroth/ Theaterdiscounter, Berlin
Danach Gesprchsrunde mit Ivan Nagel, Theaterkritiker, ehemaliger Theaterintendant und Dramaturg; Thomas Ostermeier, Intendant Berliner Schaubhne am Lehniner Platz (angefragt); Hans Neuenfels, Theater- und Opernregisseur; Elisabeth Schwarz, Schauspielerin (angefragt); Moderation: Peter von Becker, Theaterkritiker (Tagesspiegel)
Im Anschluss: Videoaufzeichnung der Inszenierung Optimistische Tragdie (Wsewolod Wischnewski, Schaubhne Berlin, 1972, Regie: Peter Stein)

Rudi Dutschke Identifikationsfigur oder heroisierte Ikone?
Termin: 11. April 2008, 19.30 Uhr

Rudi Dutschke war die bekannteste Persnlichkeit der Auerparlamentarischen Opposition. Als politischer Sprecher der 68er-Bewegung wurde er zur Identifikationsfigur einer ganzen Jugendgeneration. Welche Bedeutung hat Rudi Dutschke fr heutige junge politische Aktivisten? Gilt er nach wie vor als politische Figur oder wurde aus ihm eine heroisierte Ikone der 68er?

Mit: Prof. Gert Langguth, Politikwissenschaftler, Autor (angefragt); Pedram Shahjar, Bundeskoordinator Attac; Nele Hirsch, Studentin, Abgeordnete der Linkspartei; Ulrich Chaussy, Journalist und Autor des Buches Die drei Leben des Rudi Dutschke; Dieter Rucht, Protestforscher, Wissenschaftszentrum Berlin; Moderation: Ania Mauruschat, Journalistin (angefragt)

1968 Europa im Aufbruch wohin?
Termin: 18. April, 19.30 Uhr

Im Osten wie im Westen des europischen Kontinents war 1968 kein ruhiges Jahr. Doch wofr stand die Chiffre 68? Sicherlich mssen die Ereignisse in Ost- und Westeuropa unterschiedlich betrachtet werden. Im Osten der Versuch eines Aufbruchs, der letztlich mit Gewalt in einem Abbruch beendet wurde. Im Westen eine Art Kulturrevolution? Diese Frage und andere Einschtzungen sollen in einem international besetzten Podium diskutiert werden.

Mit: Peter Uhl, Publizist und Brgerrechtler, Prag; Wolfgang Templin, Brgerrechtler, Berlin; Karol Modzelewski, Historiker, Warschau; Boris Buden, Kulturtheoretiker, Zagreb/Berlin; Moderation:
Andrea Genest, Zentrum fr Zeithistorische Forschung, Potsdam (angefragt)

Wann ist Summerhill gestorben? Standpunkte zur antiautoritren Erziehung
Termin: 30. April 2008, 19.30 Uhr

Ein Blick zurck auf ein von der 68er-Bewegung propagiertes Erziehungs- und Bildungskonzept stellt die Frage, inwieweit das mit der antiautoritren Erziehung verbundene Menschenbild auch fr heutige pdagogische Arbeit noch Anregungen geben kann und soll.

Mit: Harald Gottschalk, Freie Schule Frankfurt; Sophie Dannenberg, Autorin (angefragt); Prof. Dr. Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler; Moderation: Bettina Schmieding, Deutschlandfunk

Neue soziale Bewegungen 68 als Geburtstunde
Termin: 8. Mai 2008, 19.30 Uhr

Viele der Ideen und Aktionsformen der neuen sozialen Bewegungen nehmen ihren gemeinsamen Ursprung in der 68er-Bewegung. Spter schieden sich die Geister primr an der Frage, ob brgerliches Engagement innerhalb oder auerhalb etablierter politischer Institutionen stattfinden sollte. Wohin fhrt der Weg, der 1968 begonnen wurde?

Mit: Roland Vogt, Mitgrnder der Grnen; Prof. Christina Thrmer-Rohr, Erziehungswissenschaftlerin, Gender-Forscherin (angefragt); Prof. Elmar Altvater, Politikwissenschaftler (angefragt); Sven Giegold, Mitbegrnder Attac; Moderation und thematische Einfhrung: Dr. Ansgar Klein, Geschftsfhrer des Bundesnetzwerks Brgerschaftliches Engagement (angefragt)

Avantgarde und Pop statt Hochkultur die sthetik von 68
Termin: 23. Mai 2008, 19.30 Uhr

Die 68er-Bewegung lie sich von den Inhalten und Ausdrucksformen der knstlerischen Avantgarde inspirieren, umgekehrt reagierte die bildende Kunst in hohem Mae auf die 68er-Bewegung. Welche Folgen hatten die neue Avantgarde sowie die zunehmende Verschrnkung von Kunst, Pop und Werbung auf den Kunstbetrieb?

Vorweg: Experimentalfilm aus den 60ern

Mit: Ernst Volland, Knstler, Fotograf, Karikaturist, Kurator und Autor; Lutz Mommartz, Filmemacher; Kathrin Fahlenbrach, Medienwissenschaftlerin; Moderation: Manfred Eichel, Historiker, Kunst- und Literaturwissenschaftler

Finissage: 68 und was ist brig geblieben?
Termin: 26. Mai 2008, 19.00 Uhr

Die nachtrglichen Deutungen der 68er-Bewegung knnten unterschiedlicher kaum sein. Whrend von konservativer Seite die Zeit der Studentenproteste als eine Art Vorgeschichte des deutschen Terrorismus eingestuft wird, sprechen liberale Historiker in ihrem Rckblick auf die 68er-Bewegung von einer Nach- und Umgrndung der Zweiten Republik (C. Leggewie). Sind die nachhaltigen Folgen der 68er-Bewegung wirklich so intensiv wie besonders von ihren Kritikern behauptet? Ist ’68 im Rckblick nur eine historische Episode oder tatschlich der Ursprung einer fundamentalen sozialen, politischen und kulturellen Vernderung der bundesrepublikanischen Gesellschaft?

Impulsstatements: Prof. Dr. Johano Strasser, Politologe, Publizist, Schriftsteller; Dr. Norbert Lammert, Prsident des deutschen Bundestages; Moderation: Michael Sontheimer, Der Spiegel

Anschlieend Empfang und Abschlusskonzert der Uschi-Nerke-Beatclub-Band

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